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Vollwerternährung, Vollwertkost

Vollwerternährung, Vollwertkost

Der Begriff Vollwerternährung hat sich im Laufe der Geschichte für bestimmte Lebensmittel mehrfach geändert und wird auch in der Gegenwart noch unterschiedlich ausgelegt 😉

Vollwerternährung in Vergangenheit und Gegenwart

Der Begriff Vollwerternährung beschreibt ein Ernährungskonzept nach dem frische und unbehandelte Nahrungsmittel und Vollkornprodukte bevorzugt werden. Diese Ernährungsform erfordert nach Ansicht von Vertretern dieser Ernährungsform eine hohe Qualität der Nahrungsmittel spwie eine bessere Nachhaltigkeit in Bezug auf Umwlr-, Sozial- und Wirtschaftsverträglichkeit.

Unter dem Einfluss der Naturheilkunde und der Lebensreformbewegung wurde diese Ernährungsform um das jahr 1900 eingeführt. Die Lebensreformer waren der Ansicht, dass der Mensch angesichts der Industrialisierung völlig falsch ernährte: Zuviel Fleisch, zuviel Fett, zuviel Zucker, zuviel Weißmehlprodukte, zuviel Gewürze, zuviel Genussmittel. Die meisten Anhänger dieser Bewegung waren Vegetarier. Allgemein aber wurden von ihnen unbehandelte Lebensmittel bevorzugt. Ein Anhaänger dieser Bewegung war auch Sebastian Kneipp. Er war zwar kein Vegetarier, propagierte jedoch den Wert einfacher Kost und wenig verarbeiteter Lebensmittel.

Die Ernährung wurde in der Folgezeit dann in der Phase des Nationalsozialismus von staatlicher Seite beeinflusst und gelenkt. Der Begriff und das Ziel der Vollwertkost diente zum Erhalt der Gesundheit des „Volkskörpers“ .sowie der Erhaltung der Art. Je geringer der Grad der Verarbeitung der Lebensmittel war, desto höher war deren Wertigkeit. Pflanzliche Nahrung wurde grundsätzlich höher bewertet als tierische, Rohkost höher aks gekochte. Unterschieden wurde auch zwischen keiner oder wenig verarbeiteter (lebendiger Lebensmittel) und stark verarbeiteten Nahrungsmitteln (tote Nahrung). Diese Thesen unterstützende Literatur wurde als „kriegwichtig“ eingestuft. In den Köpfen vieler Zeitgenossen sind die Formen dieser Ernährungsweise (Rohkost, Vegetarismus etc.) noch heute präsent.

Nach Kriegsende gab es in Deutschland wenig Interesse an speziellen Ernährungsphilosophien, es galt, die Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen. In den 1950er Jahren erfolgte dann aufgrund der Mangeljahre der Kriegszeit die „Fresswelle“ und erst in den 70er Jahren wurde eine gesunde Ernährung wieder lebhafter diskutiert.

Vollwerternährung nach der DGE

Im Jahr 1953 wurde die Deutsche Gesellschaft führ Ernährung (DGE) gegründet, die den Begriff der vollwertigen Ernährung gründete. Sie definierte diese Form als Ernährungsweise, die alle notwendigen Nährstoffe in ausreichender Menge und im richtigen Verhältnis und in optimaler Form aufweist. Wobei Fleischkonsum nur in Maßen empfohlen wird. Eine vollwertige Ernährung kann vegetarisch sein, muss es aber nicht. Eine vegane Ernährung wird als Ernährungsphysilogisch ungünstig bezeichnet.

Die aktuellen Ernährungsregeln gemäß der DGE sind

  • ausgewogene Ernährung, die alle Nährstoffe enthlt
  • pflanzliche Nahrungsmittel werden bevorzugt
  • 5 Portionen Obst und Gemüse sollen täglich verzehrt werden
  • wenig Zucker und wenig Salz
  • schonende Zubereitung der Lebensmittel
  • Getreideprodukte und Milch und Milchprodukte sollen täglich gegessen werden
  • 300 bis maximal 600 Gramm Fleisch und Fisch sollen pro Woche verzehrt werden, wenig Wurst
  • wenig Fett und fettreiche Lebensmittel, pflanzliche Fett sind zu bevorzugen
  • 1,5 bis 2 Liter täglich trinken
  • abwechslunfsreiche Ernährungsweise

Schwerpunktmäßig werden Getreideprodukte, Kartoffeln, Hülsenfrüchte, Gemüse und Obst bevorzugt. Auch auf Vollkornprodukte und Rohkost wird besonderer Wert gelegt. Es werden fünf, statt der üblichen drei Mahlzeiten empfohlen. Fleisch sollte nicht täglich gegessen werden, Fisch ein- bis zweimal die Woche. Als Getränke werden Mineralwasser und verdünnte Fruchtsäfte empfohlen, Milch gilt als Nahrungsmittel. Kaffee, schwarzer Tee und alkoholische Getränke gelten als ungeeignet.

Weitere Konzepte bezüglich der Vollwertkost

Parallel zu den Leitsätzen der DGE entwickelten sich ab Kriegsende bis in die heutige Zeit weitere Vorstellungen, Philosophien und Konzepte, die sich in ihrer Grundstruktur weitgehend identisch sind. Sie alle folgen fast identische Grundsätzen, wonach in erster Linie frische und unbehandelte Lebensmittel stehen, die nicht erhitzt wurden. Mechanisch und enzymatisch veränderte sowie hitzebehandelte, konservierte oder stark verarbeitete  oder gar isolierte Lebensmittelsubstanzen standen in der Bewertungshierarchie ganz unten. das galt und gilt auch für Kombinationen  mit den anderen Variationen.

Dabei gehen die Vorstellungen bezüglich der Vollwerternährung  über ernährungswissenschaftliche Konzepte hinaus und enthalten ideologische, politisch bedingte oder ökologische Argumente.

Kritische Anmerkungen

Im Laufe seiner Geschichte hat der Mensch gelernt, seine Nahrungsmitttel entsprechend zuzubereiten. Eine ganze Reihe von Nahrungsmittel sind für ihn hierdurch überhaupt erst verträglich geworden. So zum Beispiel Kartoffeln, Hülsenfrüchte oder Reis. Die sind in ungekochtem bzw. unerhitztem Zustand für den menschlichen Organismus überhaupt nicht verwertbar, wenn nicht sogar giftig. Das bedeutet, der Anteil der Rohkost sagt überhaupt nichts darüber aus, ob eine bestimmte Ernährungsweise gesund ist oder nicht. Was ganz und gar vergessen wird, ist die Tatsache, dass jedes Nahrungsmittel im Magen durch die Magensäure denaturiert wird.

Viele Pflanzen enthalten Inhaltsstoffe, die Fressfeinde abwehren sollen und bei manchen Menschen Unverträglichkeiten erzeugen. Diese lassen sich weitestgehend nur durch Erhitzen oder Vermentation auf ein verträgliches Maß reduzieren.

 

 

Quellen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Vollwertern%C3%A4hrung